Glück im Unglück

Nein, wir wollen wahrlich nicht aufstehen, aber uns bleibt ja nix anderes übrig. Draußen geht erst langsam die Sonne auf und wir legen den Turbo ein, dass wir pünktlich los kommen. Dank guter Vorarbeit, Schnitten schmieren und Co, starten wir relativ pünktlich zum Caravan Vermieter.

Ein letzter Blick auf unseren tollsten Campingplatz in Westkanada und dann geht es über die Staubstraße Richtung Autobahn. Mittlerweile kennen wir uns hier ein wenig aus und folgen nicht blind dem Navi, was uns durch enge Seitenstraßen schleusen möchte.

Es ist viel los und der Frühschichtverkehr erwischt uns volle breitseite. Wir schieben uns durch dicke vollgestopfte Straßen mit zahlreichen Pendlern. Doch bevor wir ganz durch den Stau zum erliegen kommen, müssen wir zum Glück abbiegen. Sonst hätten wir es sicher nicht pünktlich geschafft.

Dank der staubigen Zufahrtsstraße vom Campingplatz runter, sieht unsere Auto aus, wie halt so ein Camper nach Gebrauch aussehen muss. Wir reden uns ein, dass die Platin Aufstockung ja auch seinen Sinn gehabt haben muss, wobei sie durch den Steinschlag ja schon sehr Hilfreich war.

Pünktlich erreichen wir die Vermietung und fühlen uns wieder geerdet. Ungefähr 40 Wohnwagen stehen bereits in einer aufgereihten Schlange, bis wir eingeparkt und die Abnahme des Wohnwagens haben, gesellen sich schon 20 weitere dazu.

Der Prüfer ist “not amused” (nicht amüsiert) über die Dreckkruste auf dem Wagen und fragt nur mit zusammengekniffenen Mundwinkeln, ob wir Regen hatten. Jan bemerkt den Unterton gar nicht und fängt fröhlich von der Wetterlage und den komischen Staubweg an zu plaudern. Letzten Endes haben wir kein schlechtes Gewissen, wenn man sich die mega Waschstrasse hinter der Annahmehalle anschaut, ist der Dreck schnell abgesprüht und drinnen ist er ja sauber.

Zum Glück haben wir einen großen Puffer, denn unser Flieger startet erst 16.00 Uhr. Diesen brauchen wir auch, denn die Vermietung teilt uns mit, dass alle Shuttel zum Flughafen restlos ausgebucht sind und erst in zweieinhalb Stunden der nächste Startet. *puuhh Zum Glück gibt es hier freies Wlan, sodass wir jetzt schon mal mit Zuhause ein wenig kommunizieren können. Die Zeit vergeht dann doch schneller als gedacht, doch als der Busfahrer die Namen aufruft, ist unser nicht dabei? Was nun? Jan fragt zur Sicherheit nochmal am Empfang- Wir wurden vergessen! Jetzt könnte man natürlich durchdrehen, aber wir sind ja durch den Urlaub tiefenentspannt. Dieser Fauxpas stellt sich nämlich als absolute Fügung heraus. Die Vermietung bestellt uns aus Kulanz ein Taxi und dieses bringt uns direkt zum Flughafen. Mit dem Shuttle wären wir nur zur vorletzten Bahnstation gebracht worden und hätten umsteigen müssen. So lässt uns der Taxifahrer an unserem “Check In” Bereich direkt aussteigen. Es sei nun mal dahin gestellt, dass die Reise mit der Rostlaube von Taxi wahrscheinlich lebensgefährlich war und man sich lieber nicht um schaute, sondern seinen Blick immer auf die Straße richtete. Wir kamen heil am Flughafen an, brauchten unsere Gepäck nicht durch öffentliche Verkehrsmittel schleppen, sparten 60 Dollar und das war entscheidend.

Wieder warten heißt es beim “Check In” durch unsere Airline. Wir sind zu zeitig am Start und machen es uns gemütlich. Noch dazu wo es hier ein riesiges Aquarium im Foyer zu bestaunen gibt.

Durch das wir uns leckere Schnitten selbst geschmiert haben, sind wir auch bestens versorgt und brauchen nicht die teuren weniger leckeren Nahrungsmittel am Flughafen kaufen.

Das Einchecken unserer Gepäckstück treibt uns kurzzeitig den Schweiß auf die Stirn, denn jeder von uns darf nur 23 Kilogramm mitnehmen und allein mein Koffer wiegt schon 21 Kilo. Jan landet mit 22,9 Kilogramm die Punktlandung. Doch aufatmen können wir noch nicht, sie will auch unser Handgepäck sehen. Hier haben wir 7 Kilogramm Freigepäck zur Verfügung. Zunächst stellten wir den Handkoffer auf die Waage. Diese wiegt sage und schreibe 6, 7 kg. Jan hat die zündende Idee mit unseren Fotorucksack, ohne groß seine Muskeln anzuspannen hebt er scheinbar federleicht den Rucksack nach oben und flötet: “Wollen sie den wirklich auch noch?”. Man merkt der Angestellten ihren Zwiespalt an, aber verneint dann. Nun können wir aufatmen, der Rucksack hätte mit Fotoapparat, Laptop und Akku Packs mindestens das doppelte gewogen.

Wir starten etwas später als geplant, aber per Durchsage teilt uns mal wieder unser flinker Pilot mit, dass er schneller fliegen wird und wir dadurch pünktlich landen.

Einige Stunden später, um genau zu sein 9 an der Zahl und zahlreiche Filme sowie leckerem Essen, laden wir tatsächlich pünktlich in Frankfurt.

Uns bleibt eine Stunde für den Umstieg, eigentlich kein Problem, wenn da nicht ein anderes Flugzeug in unserer Parklücke stehen würde. Die Minuten vergehen und wir zweifeln, ob wir den Anschlussflug wirklich noch erreichen. Da setzt sich das Flugzeug endlich in Bewegung und wir haben noch knapp 25 Minuten für den Umstieg. Bei so einem riesigen Gelände schwer vorstellbar, dass es klappen wird.

Uns umgibt eine Welle der Erleichterung, als wir vor dem Ausgang eine Flugbegleiterin mit großen Schild “Dresden” entdecken. Gleich wieder heimisch angekommen, begrüßen uns die vier weiteren Pärchen mit einem fröhlich sächsischen “Hällloeeee”. Dann geht alles ganz schnell, wir fahren mit einem Bus auf ein abgelegenes Terminal, wo zwei Polizisten mutterseelenallein in ihrer Kajüte sitzen und unsere Pässe kontrollieren, erneut mit dem Bus geht es weiter zum Rollfeld. Alles klappt wie am Schnürchen und schon sitzen wir in den nächsten Flieger.

Wir landen gut gelaunt in Dresden und begeben uns zur Gepäckannahme. Jetzt muss nur noch alles mit unseren Koffern klappen. Das erste Gepäckstück, was auf dem Band landet ist ein gelber Koffer mit Aufschrift “Polster Pohl” gruselig oder? Es werden immer weniger Taschen und nur noch mein roter Rucksack im Seesack fehlt. Jan wird schon nervös, doch noch warten mindest 25 Personen mit uns, also keine Panik. Wir sehen Oma schon draußen mit einer Fahne wedeln, doch noch können wir hier nicht weg.

Ein mexikanisch aussehender Angestellter mit super neonfarbener Warnweste kommt gechillt auf uns zu gelatscht. Positioniert sich vor uns und teilt dann allen Anwesenden mit, dass das alle Koffer waren und es keine weiteren im Frachtraum mehr gibt. Ein lautstarkes Gemurmel ertönte, viele Leute reden in der Halle durcheinander. Er dagegen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, spricht in sein Walki Talki und verkündet dann, wer sich beschweren möchte solle sich doch eine Etage höher melden.

Na könnt ihr mich finden? Der kleine Pixel ganz hinten 😉

Ein wenig perplex machen wir uns so erstmal auf den Weg zum Empfangskomitee. Oma wedelt mit unseren Hochzeitsfahnen und sogar ein Plakat wurde extra für uns kreiert. Eine schöne und gelungene Überraschung. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Schalter für verlorene Gegenstände. Jans Laune ist im Keller; denn all sein Angelzeug befindet sich in diesem Rucksack. Ich dagegen bin ganz optimistisch gestimmt und denke nicht das er wirklich abhanden gekommen ist, sondern eher durch den chaotischen Umstieg noch in Frankfurt traurig in der Ecke steht.

Wenn man, so wie ich gute Laune hat, ist es witzig zu sehen, wie anderen wütende Passagiere sich in solchen Situationen verhalten. Das Paar vor uns vermisst zwei Koffer, wo anscheinend die kompletten Kindersachen des gesamten Hausstandes enthalten sind. Eine Reisende weiter vorn hat es noch schwerer, Sie ist zu Besuch in Dresden und hat tatsächlich absolut gar nix anderes dabei.

Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung schlängelt sich eine Bedienstete ihren Weg durch die Menge und möchte im barschen Tonfall wissen, ob denn wirklich alle wegen fehlender Gepäckstücke anstehen. *Hi Hi … Sie hat den Kurs “Deeskalation” anscheinend nicht besucht. Denn nachdem viele Wartende muffelnd ein “Ja” brummen, fragt sie den erstbesten, von welchem Flughafen er gestartet ist “München” und dann passiert das unfassbare … ihre Antwort “ach dann ist ja alles klar, haben Sie ihre Maschine nicht gesehen? Bei dem kleinen Flugzeug können ja gar nicht alle Koffer mitkommen, die befinden sich dort noch auf dem Rollfeld!” Die Reaktion ist unbeschreibbar. Bei manchen kann man den Teedeckel bedrohlich wackeln sehen und das Pfeifen schon vernehmen, andere wiederum können die Frau nur mit offenem Mund anstarren. Doch so schnell wie sie gekommen war, ist sie auch schon wieder weg.

Nach einer immensen Wartezeit und noch so einiger lustiger Begegnungen, sind wir endlich an der Reihe. Zur Freude aller Beteiligten kann sie unseren Rucksack schon sehen, dass er bereits auf den Weg nach Dresden ist und bietet sogar an, dass ein Lieferdienst uns ihn morgen nach Hause bringt. Also Glück im Unglück. Nachdem wir mit den Eltern entspannt zu Hause gevespert und sie schon den Heimweg wieder angetreten haben, klingelt es plötzlich an der Tür. Tatsächlich ist jetzt schon unser Rucksack da. Der Fahrer mag ihn nicht nach oben tragen, können wir ja gar nicht verstehen *hi hi

1 Gedanke zu „Glück im Unglück

  1. Oh nein. Schade schade die schöne Zeit ist wieder vorbei. Aber es War sehr schön und spannend mit euch zu reisen. Danke dafür. Bis zum nächsten mal. Kati

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