Keine Hände, keine Kekse

Wir werden vom aufgeregten Geschnatter vor unserem Fenster geweckt, es ist kurz vor 8 Uhr und draußen tobt das Leben.
Wir befinden uns genau auf einen Wochenmarkt Parkplatz und hier geht es zu wie Donnerstag kurz vor Ladenöffnung bei Aldi. Das heißt für uns, schnell frühstücken und losgedüst. Doch richtig schnell voran kommen wir nicht, weil heute scheinbar der Tag der Gartenarbeit ist.
Hier wird das Unkraut noch per Hand gepflückt und natürlich müssen bei der gefährlichen Verkehrslage gleich mehrere Winkelemente eingesetzt werden.
Wir sehen sogar das erste Mal einen Straßenpolizisten, der “und jetzt kommt’s” die Autos trotz Ampel einweist.
Jan stellt fest, dass die japanische Polizei ein Problem hätte wenn hier deutsche Gesetze gelten würden. Bei der deutschen Polizei gelten Mindestgrößen von 1,65 Meter 😉
Doch hier setzt man vielleicht auf Karate und die besondere Diebstahlsicherung. Wir sehen oft wertvollere Häuser die diese lustigen Tore vor der Eingangstür haben.

Kaum ist man in Nara angekommen, werden einem permanent die Hinweisschilder zu den hier lebenden Tieren vor Augen geführt.

Wenige Meter später sehen wir auch den Grund dafür. Direkt in der Stadt am Straßenrand, sitzen seelenruhig die ersten Hirsche.

 

Im angrenzenden Park werden es immer mehr. Da wir aber auf Parkplatzsuche sind können wir den Anblick noch nicht genießen.

Nach einer Ehrenrunde durch die Stadt haben wir endlich einen guten großen Parkplatz für unseren Optimus Prime gefunden. Also schnell mit Sonnencreme eindecken und ab Richtung Park, Hirsche ärgern.

Auf dem Weg werden wir jedoch erstmal abgelenkt. Ein kleiner Pavillon im Wasser hat unsere Aufmerksamkeit erregt.

Kein Lärm und keine Touristen, genau nach unserem Geschmack. Beim betreten des Steges entdecken wir im Wasser ein Paar Karpfen und zu Mattis großer Freude auch mehrere Schildkröten.

Während wir die Ruhe genießen, füttern wir ein wenig die Karpfen und Schildkröten.

Am anderen Ufer entdecken wir wieder einen Rickscherfahrer, der sich mit seinen 2 Fahrgästen etwas abmüht.

Außerdem gibt es auch ein paar Geishas, die sich beim Selfi machen mit dem Pavillon nicht stören lassen.

Als wir den Teich mit seinem idyllischen Pavillon hinter uns lassen und den Park betreten werden wir eindringlich vor den Narahirschen gewarnt. Diese scheinen gerne Kinder und Omis zu schubsen. Außerdem neigen sie dazu diese auch zu beißen. Manche versuchen sich gar im Taschendiebstahl. Und wir dachten immer die Waschbären mit ihrer Gesichtsmaske seien die Verbrecher unter den Tieren.

Da wir uns noch abseits des Hauptparks befinden, sind hier noch immer kaum Touristen an zu treffen.

In diesem ruhigen Teil des Waldes gibt es dann aber doch schon die ersten Hirsche zu entdecken.

Eine Hirschkuh lässt sich gar nicht davon beirren, dass ich nur ca 1m vor ihren 2 Kietzen stehe und diese fotografiere.

Ganz wie kleine möchtegern Stars stellen diese sich direkt vor meine Linse und Blicken mich herausfordernd an.

Wenig später kommen wir auch beim ersten Tempel in Nara an. Der Hauptteil des Tempels befindet sich im Bau.

Die anderen Schreine sind auch sehr spärlich besucht.

Wir schieben es auf die pralle Sonne und das nicht vorhanden sein von irgend einem schattigen Plätzchen.

Auf dem Weg zur Hauptattraktion kommen wir durch eine kleine Einkaufsstraße. Da fangen Mattis Augen direkt wieder an zu glitzern.

Überall gibt es Gerusch und Klimbims zu entdecken. Da neben dem kleinen Mitbringselkrahm immer wieder Essen angepriesen wird, meldet sich natürlich unser Magen zu Wort.

Also geht es ab in ein kleines Häuslein um den Magen zu beruhigen. Der Raum in dem Lokal ist so eng bemessen, dass neben dem Tisch nur noch eine Person laufen kann. Wir beschränken uns deshalb mit den Fotos aufs das Wichtigste.

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Bevor wir uns in das Hirschgetümmel stürzen, schauen wir uns dieses lieber erstmal von oben an.

Dank eines Geheimtipps, stehen wir ganz allein auf dem Verwaltungsgebäude der Präfektur Nara.

Wer geht schon davon aus, dass man dieses als Tourist betreten darf und dazu von der Dachterrasse diesen fantastischen Blick über Nara sowie deren Umgebung genießen kann.

Es sieht schon sehr lustig aus, die grüne Parkanlage im Vordergrund mit ihrer entspannten Tempelanlage und dahinter der Smog der Stadt.

Wieder vom Verwaltungsgebäude runter decken wir uns auch endlich mit Reiskeksen ein.

Diese werden hier im Park an jeder Ecke angeboten und sind das Einzige, das man den Hirschen verfüttern darf.

Aber Vorsicht fängt man einmal damit an, sind die Tiere ganz närrisch drauf. Sie fangen an sich zu verbeugen, laufen einem hinterher, stupsen einen an und manche zwicken sogar in die Sachen.

Da entfährt einigen weiblichen erschrockenen Touristen schon mal ein lustiger Angstkreischer.

Da wir vorgesorgt haben und die Kekse nur einzeln aus dem Rucksack nehmen bleibt uns der größte Ärger erspart.

Aber bei andern sieht es teilweise so aus, wie bei “Findet Nemo” als die Möwen eine Krabbe entdecken und das “Meins, MEIINS, Meeeiiinnsss” Gekreische los geht.

Mit noch ein paar restlichen Reiskrackern in der Tasche geht es zum eigentlichen touristischen Highlight- dem Todai-ji Tempel.

Aber mal ehrlich, nach den Handzahmen Hirschen hat der eigentlich keine Chance mehr. ;D

Kurz vor dem Tempel sehen wir ein Schild, auf dem dafür geworben wird, dass Touristen aus Übersee keinen Eintritt zahlen müssen. Beim genaueren betrachten handelt es sich um den Yinshoku-Garden.

Da dieser auch auf unserer Todoliste steht und vor dem Tempel schließt sind wir natürlich sofort Feuer und Flamme.

Nach dem Eingang erwartet uns ein kleinerer japanischer Garten. Alles ist sehr klar strukturiert und mit viel Liebe zum Detail angelegt.

Den Anfang macht ein kleiner Steingarten mit Teich. Über kleine Findlinge geht es zu einer Brücke.

Weiter den Pfad entlang geht es zur nächsten Ebene, wo ein kleines altes japanisches Teehaus zu finden ist.

Dahinter eine kleine Wiese mit Steinlaternen.

Beim umwandern des Häuschens kommt man an einem weiteren sehr kleinen Steinbecken mit Schrein vorbei.

Entlang der Wiese geht es zur letzten Ebene. Hier sollte eigentlich alles mit Blumen bewachsen sein.

Dafür sind wir jedoch schon zu spät, denn die meisten sind davon leider schon verblüht.

Aber allein die Ruhe vom vorhergehenden Touristenstrom und auch das Fehlen vom Stadtlärm macht es zu einer wunderbaren Oase der Entspannung.

Mehrmals sitzen wir auf den Bänken am Rand und wollen hier gar nicht weiter.

Schwer zu beschreiben, was einem trotz oder vielleicht gerade wegen der wenigen “Wao” Effekte daran, so entspannt vorkommt.

Da der Garten bald schließt und auch der Todai-Ji nicht mehr all zu lange auf hat, verlassen wir den tollen Garten und laufen den Rest zum Tempel.

Hier merkt man auch sofort wieder, dass man bei einer der touristischen Attraktionen angekommen ist.

Überall wuseln die Touristen rum. Der Tempel selbst ist der Größte unserer Reise. Die Ausmaße des Hauptgebäudes sind schon riesig Im Vergleich zu den anderen. Verwundert das wir nicht die Schuhe ausziehen müssen, betreten wir den Tempel.

Direkt hinter dem Eingang erwartet uns der Grund für den gewaltigen Bau. Wir werden direkt von der größten sitzenden Buddha Bronzestatue Japans begrüßt. Diese stößt sogar fast an die Decke des Tempels an.

Neben dieser, finden auch noch 4 weitere riesige Statuen einen Platz neben dem Buddha.

 

Da fallen auch die mehreren geführten Touristengruppen nicht mehr so auf.

Wäre da nicht die enorme Lautstärke, welche innerhalb des Tempel herrscht.

Beim verlassen des Tempels fällt mir im Teich davor eine Insel auf. Diese beherbergt ein kleines Tori, mit einem dahinter stehenden Schrein. Keine der Touristen beachtet dies. Da es mir jedoch als geeignetes Fotomotiv erscheint, hocke ich mich hin und fange an ein gutes Bild zu machen. Kaum bin ich am Fotografieren, kommen rings herum die Touristen an und versuchen auch ein Bild zu schießen, scheint ja dann doch interessant zu werden.

Auf dem Rückweg zum Auto verteilen wir noch die restlichen Kekse an die Hirsche. Dabei geleitet uns sogar dieser Hirsch mit seinem stattlichen Geweih bis zum Tor.

Ob er nur sichergehen will das wir wirklich verschwinden oder ob er hofft noch ein paar Kekse zu ergattern wissen wir leider nicht. Wir gehen mal von der letzteren Variante aus.

Unser Optimus steht mittlerweile fast allein auf dem Parkplatz. Da wir froh sind, dass die Ketten der Ausfahrt noch nicht hochgezogen sind, machen wir uns mit dem Navi auf den Weg zu unserem nächsten Schlafplatz.

Natürlich führt uns die nette Navigatorin von Google wieder durch die engsten Gassen, so das wir bibbernd im Wohnwagen sitzen und hoffen nirgends stecken zu bleiben.

Am Fahrbahnrand sehen wir immer wieder schöne Flüsse und mir juckt es in den Fingern die Angel aus zu packen. Als wir dann auch mal halten um zu schauen, ob man hier angeln kann, werden wir freundlich von den Schildern darauf hingewiesen- das hier angeln verboten ist.

Also wieder ab ins Auto und weiter gefahren. Man merkt auch das es immer weiter von der Großstadt Osaka entfernt ist.

Es wird wieder idyllischer und so genießen wir beim Fahren den Sonnenuntergang über den Reisfeldern.

PS: Wenn es euch mal nach Japan verschlägt, Nara ist aus unserer Sicht eigentlich ein MUSS in Japan. Schon allein das im Park sitzen und die vielen Hirsche dabei zu beobachten, wie sie die Menschen nach fressen an betteln… echt super. Dazu sind sie so zahm, dass man eigentlich alle streicheln kann.

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