Chillie ohne Chilli

Kein Regen, aber Wind. Man kann es uns aber auch wirklich nicht recht machen. Pünktlich um 7 Uhr, also quasi noch vor dem Aufstehen, geht es zum wunderschönen Angelsteg. 

Diesen hatten wir uns gestern bereits angeschaut und für gut befunden. Leider durch den Wind eher schwierige Bedingung hier etwas an Land zu ziehen. Jan versucht dennoch sein Glück.

Ich genieße derweil die ersten aufkeimenden Sonnenstrahlen und finde den Campingplatz echt schön angelegt. Es wurde hier sogar an Gehbeeinträchtigte Menschen gedacht und ein Rollstuhlgeeigneter Steg konstruiert. 

Leider hat Jan heut kein Glück mit den Fischen. Nach reiflicher Überlegung entschließt er sich allerdings in den nächsten Tagen ein geführte Angeltour mal mit zu machen, um vielleicht auch mal Großfisch zu angeln. 

Zu unserer Überraschung ist bereits schon am nächsten Tag ein Platz frei, somit heißt es heute wieder Strecke machen, nicht am Gewässer, sondern auf dem Asphalt. 

Spannend hier auch mal die absolute Intoleranz der Bevölkerung zu zeigen. Bei allen Infoflyern, Aushängen und generellen Hinweisen wird gesagt… Tiere nur aus der Entfernung beobachten. Bei Hirschen und Ziegen sollte man mindestens 30 Meter Abstand halten. Bei Bären, Pumas und Wölfe mindestens 70 Meter. Wir halten uns weitgehend dran und als wir zum Beispiel Bergziegen am Wegesrand sehen, fahren wir vorsichtig vorbei und parken in einiger Entfernung, schließlich sind Teleobjektive heutzutage ja gut genug. 

Anders dagegen zahlreiche Kloppis …

Wir düsen 180 Kilometer nach Chilliwack von dort wird morgen die Tour starten und das wollen wir uns natürlich vorab auch mal anschauen. Allerdings fahren wir die ganze Strecke nicht am Stück, dazu ist die Landschaft viel zu umwerfend. 

Rund 100 Kilometer östlich von Vancouver liegt die Stadt Chilliwack in der kanadischen Provinz British Columbia. Die Gemeinde mit rund 77.000 Einwohnern kann man hier schon als Großstadt zählen, obwohl wir eher selten Hoch- und Mehrfamilienhäuser sehen. In Chilliwack stehen vor allem Einfamilienhäuser im Bungalow-Stil. 

Nachdem wir uns den doch sehr weit entfernten Bootsanleger angeschaut haben, wo morgen die Tour startet. Fahren wir auf einen Walmart Parkplatz, wo man die Nacht legal stehen darf.  Hier gibt es leider keine großen Campingplatzmöglichkeiten in der Nähe, somit beißen wir in den sauren Apfel. 

Wir schauen uns in der Umgebung um, kaufen ein neues Glas, welches uns im Wohnwagen  bei einer Fahrt durch mega Schlaglöcher kaputt gegangen ist. Mal ehrlich wer stellt keine Plastikbecher in einen Wohnwagen rein? Das Glas zersprang in tausend Teile und wir hatten echt Mühe alles davon wieder zu befreien. 

Außerdem will Jan endlich mal eine Beyond Meat Burger testen. Warum dann nicht in einem Land was der amerikanischen Küche sehr ähnelt und für Burgerkreationen bekannt ist. Wer sich fragt was an diesem “Beyond Meat Burger” so besonders ist, er ist vegan ohne Soja, Gluten und GMO frei. Also quasi ein beworbener schöner Burger der nach Fleisch schmeckt und mit gutem Gewissen gegessen werden kann.

Nun ja mit “guten Gewissen” nicht ganz. Denn obwohl er als Burger eine gut schmeckende vegane Alternative ist, sollte man die Hintergründe von Konsistenz und Anbau gut kennen. Durch die Garmethode sind so gut wie keine positiven Inhaltsstoffe im Burger mehr enthalten und die Anbaumethoden von Erbsen, Raps bzw. Kokosnüsse sind nicht sehr nachhaltig. Ebenso wie für Soja, müssen natürlich auch für Erbsen und Reis Anbauflächen geschaffen werden.

Doch wir Fleischesser sollten da wie immer ganz ruhig sein und geben unser Fazit- es schmeckt echt überraschend lecker und dafür mussten keine Tiere in Massenhaltung gequält werden. 

Wenn wir gerade bei “gesunden” Lebensmitteln sind, Jan kaufte sich hier auch zum ersten Mal im Urlaub ein Bier. Alkohol ist in der kanadischen Öffentlichkeit ein sensibles Thema. Alkoholkonsum ist in Kanada ab 19 Jahren legal und Alkohol sucht man im Supermarkt vergeblich- er darf nur in speziell dafür lizensierten Geschäften verkauft werden, den sogenannten Liquor Stores. Wir finden das ganz gut, denn so wird er wirklich als Genussmittel wahrgenommen. Was Jan nicht ganz so gut findet, ist die Größe der Flaschen. Er kauft sich ein sechser Pack für 12 Dollar, allerdings sind diese in der mini Ausgabe zu Deutschland (ähnlich einem Kölsch). Es ist super witzig, wie er aus den Puppenfläschchen mit zwei Fingern einen Schluck nimmt.

Eine kleine Ergänzung zu unserem Beitragsbild. Wir wissen zwar das Hanf bzw. die Einnahme von Cannabis in Canada legalisiert wurde, doch richtig bewusst wurde uns dies erst, als wir neben den Bootsanleger in Chilliwack die gut bewachte Hanfplantage sehen.

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