Flussmonster

Die Nacht auf dem Wallmartparkplatz war ruhiger als gedacht. Aber trotz des Urlaubs klingelt diesmal um 5:30 Uhr der Wecker. Wer ist nur auf die dumme Idee gekommen- sich ein Event aus zu suchen, wo man um 7:00 Uhr schon am Start sein muss. Aber da ja schon alles gebucht ist, quälen wir uns gegen 6:00 Uhr aus dem Bett. Das Frühstück besteht heute aus bereits geschmierten Broten vom Vortag. Schnell eine Kleinigkeit essen und dann geht es ab zum Island 22 Regional Park in Chilliwack.

Als wir da kurz vor 7:00 Uhr ankommen, ist da schon reges Treiben angesagt. Ca 20 Boote werden mittels Anhänger in den Fraser River gelassen. Es stehen schon viele kleine Grüppchen rum, die es kaum erwarten können ihr Gefährt zu betreten. Auch wir sind schon aufgeregt. Vor allem Jan, da es gleich zum Störangeln auf den Fluss geht.

Wir merken erst jetzt, wie viel Glück wir bei der Buchung hatten, denn die meisten hier haben Monate im vorraus gebucht. Guide Nick ist dennoch schnell gefunden und es geht ab aufs Boot. Wie vorab schon vom Veranstalter erzählt, werden hier keine Gruppen gemischt, dass heißt- mal wieder dekadente Einzeltour für unser eins.

Da Nick und Jan Bock aufs Fischen haben, geht´s direkt los. Zur Abfahrt noch schnell Matti winken und dann das Ambiente des Flusses genießen. Es geht ca. 10 min Flussabwärts bis zu dem ersten HotSpot von Nick.

Er setzt den Anker in die Strömung und wir liegen ganz ruhig im Wasser. Schnell die starken Ruten beködern und dann geht das Warten los. Doch lange dauert es ganz und gar nicht.

Nach ca 5-10 min beißt es ganz zaghaft an der ersten Angel. Ich halte das ja für die Strömung, aber Nick geht sofort an die Rute und schlägt an. Zack der erste Fisch hängt an der Angel. Während ich den Fisch drillen darf, kommen erst jetzt die anderen Boote an uns vorbei gefahren.

Der Stör ist härter zu Drillen wie ich gedacht hab und schon nach 10 min merk ich, dass der Muskelkater morgen hart sein wird. Während dem ca. 20 minütigen Drill springt der Stör immer wieder aus dem Wasser in die Luft. Ich hätte nie gedacht das Störe so springen können. Der erste Stör des Tages ist ca. 1,7m und ich bin schon jetzt total Happy, da ich generell nicht mit so einem Fisch gerechnet hab.

Nach dem Foto und dem schonenden zurücksetzen ins Wasser werden die Ruten neu beködert und wieder ins Wasser gesetzt. Unerwartet und voll überraschend geht es schon wieder los. Nie hätte ich das gedacht!

Nach dem 4 oder 5 Stör amüsiert sich Nick, dass ich ja heute kein Fitnessstudio mehr bräuchte und morgen auch sicher einen höllischen Muskelkater haben würde.

Währenddessen drille ich ganz verbissen meinen ersten Riesen. Da die großen Störe anfangs nicht zu bändigen sind, fährt man mit dem Boot dem Stör nach und hält mit der Angelrute dagegen. Leider klappt das nicht direkt, da sich unser Anker am Grund verkeilt hat. Während die Sehne also ohne ende Surrt, versucht Nick den Anker los zu bekommen. Lange 5 Minuten braucht er dafür, dann können wir endlich dem Stör ein wenig hinterher. Ich brauch weitere 30 min um den Stör so zu drillen, das er langsam erschöpft ist und keine weiteren Fluchtversuche startet. Nick steuert eine Sandbank im Fluss an. Da wir den großen Fisch nicht ins Boot holen wollen und können. Wir gehen auf die Sandbank und machen ein paar Fotos mit dem Fisch im flachen Wasser.

Das Maßband zeigt stolze 2,06m. Wow damit hab ich nun wirklich nicht gerechnet. Das Grinsen ist dann erstmal in mein Gesicht gemeißelt.
Nach dem wir den Stör wieder los lassen, prescht er direkt ins tiefe Wasser. Wir tun es ihm gleich. Ab ins Boot und zurück zum Angelplatz.

Dort angekommen geht´s neben dem Stör auch nochmal ans Lachs angeln. Nick benötigt neue Köder. Also eine Rute mit Störköder und eine Spinnrute fürs Lachsangeln ins Wasser. Die neuen Köder sind schnell besorgt und auch die Störe lassen sich nicht lang bitten.

Nach ca. 5h verlassen wir den Angelplatz und fahren Flussaufwärts zum nächsten Bereich. Insgesamt konnte ich bis dahin ca. 13 Störe fangen, davon 2 Stück von über 2m Länge. Am neuen Platz angekommen fragt mich Nick ob ich Hunger hätte. Als ich ihm sagte, das ich Sandwiches mit hab, hat er nur gelacht und meinte, dass man bei dem schönen Wetter doch lieber einen frischen Burger essen sollte. Also packt er den Gasgrill aus und zaubert uns 2 leckere Burger auf dem Fluss.

Da am aktuellen Platz nicht wirklich was beißen will, geht´s nochmal ein Stück weiter den Fluss rauf. Nick erzählt mir dann, dass in dem Haus was neben uns am Ufer steht, vor Jahren eine Geflügelfarm war. Dann hat die jemand aufgekauft und obwohl es noch eine Geflügelfarm sein sollte, war etwas komisch. Er meinte dann, das ein paar Wochen zuvor auch raus gekommen ist, was komisch ist. Die ganze Farm wurde umgebaut, so dass dort Illegale Drogen hergestellt wurden, aber das nur am Rande erwähnt.

Am nächsten Haltepunkt habe ich mein “Fluss Monster” Erlebnis. Ich bekomme ein wahres Monster an den Hacken und der Drill geht über 50 Minuten, immer wieder den Fluss rauf und runter.

Als der Fisch dann endlich so weit ist, dass wir ihn landen können, passierte das Unglück! Beim navigieren ans Ufer taucht der Stör unterm Boot durch und schafft es die Sehne zu zerreißen. Dazu sei gesagt, dass die Sehne ca. 240kg Tragkraft hat. Wir haben vom Stör nur mal die Schwanzflosse gesehen und Nick meinte, der war sicher 2,8m-3m. Schade das Foto hätte ich gern für den anstrengenden Drill gehabt, aber da kann man nichts machen.

Leider ist nun auch die Zeit rum und wir fahren wieder zum Startplatz zurück. Ich bin überglücklich, das ich so viel fangen konnte. Damit hab ich nie und nimmer gerechnet. Ich dachte so 2 oder 3 Störe, davon vielleicht einer mal mit 1,5m wäre toll. Aber 18 Stören, davon 4 Stück über 2m, sind schon eine kleine Sensation für mich. Dazu muss man sagen, normalerweise sind auf so einer Tour 2-4 Personen die Drillen, da kann man sich ja auch mal ausruhen, aber allein 18 Störe ist schon eine Leistung laut Nick. Am Startplatz sitzt Matti am Ufer. Da ich sie ein wenig veräppeln möchte, mach ich ein trauriges Gesicht und zeig den Daumen nach unten. Matti ist sofort geschockt, da Sie wirklich denkt, das wir nichts gefangen haben.

Was ich nämlich nicht wusste, Matti hat bei den anderen zurückkommenden Booten mitbekommen, dass diese nichts oder nur 1-2 Störe gefangen haben. Als ich Ihr dann erzähle was ich gefangen hab, kann Sie es kaum glauben.

Da mir alles Wehtut und ich doch ganz schön von dem Tag geschlaucht bin geht´s wieder zurück nach Harrison Mills, den Campingplatz wo wir unsere Tour mit dem Camper begonnen haben.

Noch ein ein paar Infos zu den Stören, für die dies interessiert. 😛
Das Angeln auf Stör ist in Kanada stark reglementiert. Seit ca. 10 Jahren ist nur noch Catch&Release von Stören erlaubt. Durch diese Maßnahme ist der Fraser River die Störregion schlechthin. Hier kursieren Angaben von 60-70 Tausend Stören in bestimmten Regionen. Man benötigt außerdem eine separate Lizenz um auf Stör angeln zu können. Vom Ufer aus würde ich das auch nie versuchen, bei der Kraft und den riesigen Fischen die man fangen kann, besteht da keine Chance die ordentlich zu landen und anschließend wieder frei zu lassen.

Beim Fisch selbst ist sehr interessant, dass die weisen Wölbungen an der Seite und am Rücken viele kleine Platten in einer Reihe sind. In der Mitte dieser Schilde kommt immer ein Knochen aus der Haut der extrem scharf ist. Da kann man sich als Unvorsichtiger sehr schnell schneiden, was ich auch beim ersten Fang gleich mal ausprobieren konnte.

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